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Theosophische Philosophie

Was ist Theosophie?

Theosophie ist die Synthese von Wissenschaft, Religion und Philosophie. Sie vereint seit jeher diese großen Denkmöglichkeiten, mit der wir dem Sinn und dem Zweck unseres Daseins Schritt für Schritt, Gedanke für Gedanke näher kommen können.

Das Wort Theosophie stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Weisheit der Götter“ oder „Göttliche Weisheit“, ebenso wie Theogonie „Genealogie der Götter“ bedeutet. Daher kann Theosophie nicht mit „Weisheit von Gott“ übersetzt werden, was vielfach fälschlicherweise getan wird, sondern nur mit „göttliche Weisheit“. Die Bezeichnung ist archaischen Ursprungs. Als Weisheitsreligion oder -philosophie kann die Theosophie daher auf eine lange Geschichte zurückblicken.

In ihrer praktischen Verwirklichung ist die Theosophie eine rein göttliche Ethik. Sie bezieht sich nicht auf einen anthropomorphisierten, persönlichen Gott, sondern auf göttliche Wesen: auf Wesenheiten, die dem Menschen in ihrer Evolution vorausgehen und folglich ihre höheren, geistigen Fähigkeiten und Kräfte wesentlich weiter entwickelt haben, als es dem heutigen Menschen bisher gelungen ist.

Theosophie gibt eine zutiefst befriedigende Erklärung auf die Frage nach dem Sinn des Lebens. Sie kann zu Recht auch Philosophie genannt werden, denn sie liefert dem Verstand Erklärungen für die mannigfaltigen Erscheinungen des Lebens, die wir um uns herum beobachten können. Sie umfasst das Wissen über die ineinandergreifenden ursächlichen Lebenszusammenhänge auf allen Ebenen kosmischen und irdischen Daseins. Ebenso ist sie Wissenschaft, die auf jedes Phänomen der physischen Welt angewandt werden kann. Sie vereint die drei wichtigsten Denkmöglichkeiten des Menschen: Philosophie, Religion und Wissenschaft. Theosophie bildet die Grundlage für wahre Ethik und beinhaltet die Ausübung von Pflichten gegenüber Mensch und Natur.

Diese Weisheitsreligion oder Theosophie wurde seit Menschengedenken gelehrt und immer wieder auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft. In jedem Zeitalter war sie zudem der Keimboden für verschiedene öffentliche Lehren, die einige ihrer Grundprinzipien in vereinfachter Ausdrucksweise zeitgemäß darstellen. Nahezu alle großen Weltreligionen und -philosophien sind auf diese Weise entstanden und zeigen entsprechende Gemeinsamkeiten auf. Die Neuplatoniker zum Beispiel, die in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung das platonische Denken noch einmal zur Blüte brachten, nannten sich unter anderem auch Theosophen. Gleiches gilt für die mittelalterlichen Alchimisten, die in vieler Hinsicht die Vorläufer unserer heutigen Naturwissenschaftler waren, sowie für große mittelalterliche Denker wie Giordano Bruno, Jakob Böhme oder Louis Claude de Saint-Martin.

Die Weisheit bleibt immer dieselbe. Sie birgt das Letzte, was menschlicher Erkenntnis zugänglich ist, und daher wurde sie stets sorgfältig gehütet. Sie bestand schon lange vor der Alexandrinischen Schule, sie besteht heute und wird Zeitalter überdauern.
Jede alte Religion und jeder philosophische Kultus hatten eine esoterische (geheime) und eine exoterische (öffentliche) Lehre. Auch ist bekannt, dass jede Zeit und jedes Volk seine großen (geheimen) und kleinen (allen zugänglichen) Mysterien hatte, zum Beispiel die berühmten eleusinischen Feste in Griechenland.

Die Hierophanten von Griechenland und Ägypten, die eingeweihten indischen Brâhmanen, die späteren hebräischen Rabbis, alle hielten aus Angst vor Profanierung ihre tiefsten Erkenntnisse geheim. Die jüdischen Rabbis nannten ihre öffentlichen Religionsausübungen „Merkaba“ oder den äußeren Körper, die Hülle, die die Seele, die höchste Erkenntnis, verbirgt. Die Priester der alten Religionen haben der großen Masse nie ihre innersten philosophischen Erkenntnisse mitgeteilt, sie gaben ihr nur die Schalen.
Der nördliche Buddhismus unterscheidet zwischen dem größeren und dem kleineren Fahrzeug: zwischen Mahâyâna, der esoterischen, und Hînayâna, der exoterischen Schule. Pythagoras nannte seine Gnosis „die Kenntnis von den Dingen, die sind“, oder ή γνωσιϛ των οντων, und übermittelte diese Erkenntnis nur seinen vereidigten Schülern, denn nur sie waren wirklich imstande, diese Nahrung zu verdauen und ihren Wert zu erkennen. Er verpflichtete seine Schüler zum Schweigen. Die alten ägyptischen Schriften verwendeten ein geheimes Alphabet und geheime Zeichen, und nur Hierogrammatiker und eingeweihte Priester kannten den Schlüssel dazu.

Die Biographen des Ammonios Sakkas erzählen, dass er seine Schüler eidlich verpflichtet habe, die esoterischen Lehren nur denen mitzuteilen, die genügend vorbereitet und ihrerseits durch Eid gebunden waren. Bei den ersten Christen, den Gnostikern, ja in den christlichen Lehren finden wir Ähnliches. Christus sprach zum Volk in Gleichnissen, die eine zweifache Bedeutung hatten, und über die tiefsten Erkenntnisse sprach er nur mit seinen Jüngern. Aus allen Ländern sind ähnliche Hinweise zu erhalten.

Theosophie ist also kein neues System. Das kann nur von Unwissenden behauptet werden. Sie ist so alt wie die Menschheit selbst.

Die Ziele der Theosophischen Gesellschaft

Die Ziele der Theosophischen Gesellschaft lauteten ursprünglich:

  1. Bruderschaft unter den Menschen, ohne Unterscheidung von Rasse, Farbe, Religion oder sozialer Stellung.
  2. Studium der alten Weltreligionen mit dem Ziel, sie zu vergleichen und die ihnen zugrunde liegende universale Ethik zu erkennen.
  3. Studium und Entwicklung der latenten göttlichen Kräfte im Menschen.

1929 wurden sie von dem damaligen Präsidenten der Gesellschaft, Prof. Dr. Gottfried von Purucker, wie folgt erweitert:

  1. Unter den Menschen die Kenntnis der im Weltall waltenden Gesetze zu verbreiten.
  2. Zu lehren, dass alles Sein dem inneren Wesen nach EINS ist, und zu beweisen, dass diese Einheit der Natur zugrunde liegt.
  3. Eine tätige Bruderschaft unter den Menschen zu bilden.
  4. Alte und moderne Religion, Wissenschaft und Philosophie zu studieren.
  5. Die dem Menschen innewohnenden Kräfte zu erforschen.

 

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