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Theosophische Philosophie

Theosophie als Chance

Teil 2: Schlüssel zum Aufbrechen verkrusteter Denkschablonen

Hermann Knoblauch

Das wissenschaftlich geprägte Weltbild unserer Zeit ist von den kausalen Realitäten noch weit entfernt. Bemerkenswert ist, dass zwei der wichtigsten Naturgesetze fast völlig ignoriert werden: das Gesetz der Hierarchien und das Gesetz der Zyklen. So verwundert es nicht, dass die Vorstellungen über die Entstehung von Planeten und ursprünglicher Materie von völlig falschen Voraussetzungen ausgehen und zu ihrer Erforschung Milliarden-Etats verschlingen.

Woraus resultiert dieses Trugbild, und welche Chancen hat der Mensch, sich aus den Ketten von „Mâyâ“, der großen Täuschung der Materie, zu befreien?

Die drei fundamentalen Lehrsätze1der archaischen Weisheitslehre wurden bereits in Teil 1 erwähnt. Der zweite Lehrsatz behandelt die zyklische Wiederkehr allen Seins. Das Leben einer Pflanze, eines Tieres oder eines Menschen verläuft stets in Zyklen. Der Baum wächst aus einem Samen hervor, aus einer ihm innewohnenden Essenz, er hat seine Lebenszeit und stirbt. Weitere Beispiele lassen sich überall in der Natur beobachten. Jedes Tier, jeder Mensch reift aus einem Samen mit der ihm eigenen innewohnenden Essenz, seinem Charakter, heraus, hat seine Jugend, seine Reife, sein Alter und seinen körperlichen Tod. „Essenz“ bedeutet in diesem Zusammenhang nicht die wissenschaftlich erforschte DNS, die Desoxyribonukleinsäure; vielmehr bedeutet sie die spirituelle, sich in weitaus feineren Schwingungsbereichen befindende Essenz.

Viele verschiedene Zyklen, auch Zyklen, die sich innerhalb größerer Zyklen abspielen, sind bekannt: Sekunden, Minuten, Stunden, Tage, Wochen, Monate, Jahre. Innerhalb des Jahres kehren Frühling, Sommer, Herbst und Winter wieder, Zyklen, die deutlich an ihren Wirkungen zu erkennen sind. So haben auch „Mutter“ Erde oder „Vater“ Sonne ihre Zyklen, über die aus wissenschaftlicher Sicht bisher jedoch wenig bekannt ist. So werden zum Beispiel mit jedem Pulsschlag der Sonne ihre vitalen Kräfte durch das Sonnensystem gepumpt. Es ist ihr Rhythmus von etwa 11 1/3 Erdenjahren, der an dem periodischen Auftreten der sogenannten „Sonnenflecken“ erkennbar wird. Auch das Alter von Bäumen lässt sich zum Pulsschlag der Sonne in Beziehung setzen: der durchschnittlich 11-jährige Zyklus kann an einem gefällten Baumstamm an den Ringen abgelesen werden.

Die Protuberanzen, die von den Sonnenflecken ausgehen, sind nun keineswegs heiße beziehungsweise brennende Gase, wie vermutet wird, sie sind vielmehr die Vitalität der Sonne, die als Lebenselektrizität unser gesamtes Sonnensystem durchpulst. Ohne diese prânische Ausströmung der Sonne gäbe es kein Leben, weder auf Erden noch im Sonnensystem. Alles ist innig miteinander verbunden und vernetzt, eines baut auf dem anderen auf, ist Lebensspender und -empfänger zugleich.

In Bezug auf unsere Erde ist der „Messianische Zyklus“ von 2160 Jahren seit alters bekannt. Er stellt ein Zwölftel des siderischen Zyklus von 25.920 Jahren dar, außerdem gibt es einen Zyklus von etwa 5000 Jahren. Dieser und der Messianische Zyklus gingen etwa um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert zu Ende, und neue begannen.

Jeder Zyklus hat sowohl seinen Aufstieg als auch seinen Abstieg, wodurch völlig unterschiedliche kosmisch-planetarische Einflüsse wirksam werden. Dieses Wissen ist selbst in der Astrologie fast völlig verloren gegangen, der einst königlichen Wissenschaft, fast völlig verloren gegangen.

Die Zyklen eröffnen uns einen Ausflug in unsere eigene Vergangenheit. Wenn wir uns in das evolutionär bedingte Zeitgeschehen vertiefen, werden wir mit Erstaunen feststellen, wie lebendig die Vergangenheit für uns wird. Die Zyklen sind dann plötzlich nicht mehr etwas außerhalb von uns selbst Stehendes, sondern sie sind erfüllt mit unserem eigenen Leben! In ihrem Auf und Ab haben wir Zeitalter hindurch gelebt, gelernt, gelitten, geliebt und unsere Aufgaben so gut wie möglich erfüllt. In nachtodlichen Bewusstseinszuständen wanderten wir durch die mannigfaltigen Sphären des Seins, eingebunden in das große Vorratshaus der Natur, um zyklisch bedingt wieder daraus hervorzugehen, um im ewigen Kreislauf des Stirb und Werde zu lernen, zu evolvieren.

Mit diesem Hintergrund können die im Folgenden beschriebenen Zyklen nicht nur verstanden werden, es kann ihnen auch Leben eingehaucht werden: das eigene!

In Ägypten begann mit König Menes die bekannte beziehungsweise aufgezeichnete, in Hieroglyphen wiedergegebene Geschichte. Hieroglyphe bedeutet „heilig eingegraben“. Erst seit dieser Zeit ist die ägyptische Kultur bekannt. Was vor diesem Zeitpunkt war, ist der Wissenschaft nicht bekannt. In den aufgezeichneten 3 000 Jahren ägyptischer Geschichte ist der Abstieg vom Spirituellen ins Materielle deutlich feststellbar. Es entspricht nicht den Tatsachen, wenn in Büchern, Dokumentationen oder anderen Veröffentlichungen ein Aufstieg der ägyptischen Kultur bis zur Zeitenwende, also etwa bis zur Zeit Kleopatras, behauptet wird, denn genau das Gegenteil ist der Fall. Je weiter wir in die Vergangenheit zurückgehen, umso hochstehender und philosophisch weitreichender war die ägyptische Kultur. Die Degeneration des alten Ägypten begann also bereits mit Menes vor 5 000 Jahren! Auf die Frage, warum dies so ist, kann auch hier die Natur eine Antwort geben: Ein Zyklus ist nicht lediglich ein Zyklus. Wäre er nicht an lebende Wesenheiten gebunden, gäbe es ihn nicht. Jeder Zyklus ist daher die Summe, das Resultat von Wesenheiten, die ihre Geburt, ihre Jugend, ihre Reife und ihr Alter haben.

In Indien ist, soweit bekannt, die gleiche Tendenz des spirituellen Abstiegs festzustellen. Buddha (um 560–480 v. Chr.) und Sankarâchârya (um 400 v. Chr.) bemühten sich, diesen Abstieg aufzuhalten beziehungsweise die alte, archaische Philosophie neu zu verkünden. In ähnlicher Weise bemühte sich auch Jesus vor etwa 2 100 Jahren, diese uralten Weisheiten dem Volke Israel erneut zugänglich zu machen.

Von großer Bedeutung ist also zu wissen, dass sich die Menschheit, die evolutionär zu diesem Zyklus gehört, in einem spirituell absteigenden Zyklus befindet. Es wird gesagt, die ersten 5 000 Jahre des „Kali-Yuga“ seien vorbei, Platon sprach von einem „unfruchtbaren oder dunklen Zeitalter“. In dieses dunkle Zeitalter wurde Jesus für die „verlorenen Schafe des Hauses Israel“ geboren. Die ursprünglichen Lehren, die Jesus dem Volke Israel brachte, waren in wesentlichen Prinzipien dieselben, die auch Buddha etwa 500 Jahre zuvor gelehrt hatte, denn beide Religionsstifter schöpften aus der derselben Quelle. Beide verkündeten die uralte Weisheitslehre, die Lehren der Mysterienschulen, der Theosophie, sowohl in ihrer exoterischen als auch in ihrer esoterischen Auslegung.

Der zyklische Zeitpunkt für einen Avatâra, den die Juden gemäß dem kosmischen messianischen Zyklus von 2 160 Jahren als ihren Messias erwarteten, war gekommen, aber alles arbeitete gegen die spirituellen Kräfte. Die Zyklen der Zivilisation liefen in fast allen Richtungen abwärts, besonders in spiritueller und psychologischer Hinsicht. So kam es, dass schon weniger als einhundert Jahren nach dem Verschwinden Jesu aus seinem physischen Körper die Lehren stark degeneriert waren. Seine Jünger versagten, und in vielen Fällen ergriff sie der Ehrgeiz nach persönlicher Geltung und Machtstellung. Die ursprünglichen Lehren wurden verdunkelt, ja sogar geändert, um sie ihrer Meinung nach für das Volk einfacher und verständlicher zu machen, zudem wurde eine Menge fremden Stoffes aus bereits degenerierten Lehren den erhabenen Lehren des Gründers beigefügt. In diesem Stil wurden die Evangelien geschrieben, von denen Dutzende existierten. Von den 27 oder 28 heute noch bekannten Evangelien wurden lediglich vier als kanonisch anerkannt, und diese vier sind heute im Neuen Testament zu finden. Diese Tatsache ist überaus bedeutsam im Hinblick auf die Geschichtsforschung. Einige Mysterienlehren und Rituale wurden in das Lehrgebäude aufgenommen, und auf diese Weise entstand die exoterische Religion der heutigen „Kirche“, womit nicht Religion „an sich“ gemeint ist. Doch sicherlich herrschten nicht nur Machthunger und Herrschsucht vor, sondern bei einigen Kirchenvätern auch die ehrliche Absicht, die oft schwer verständlichen Lehren dem Volk in leichterer Form zugänglich zu machen. Tatsache ist jedoch, dass der spirituelle Kern der eigentlichen christlichen „Religion“ sehr entstellt und verschleiert wurde. Die hinter Allegorie und Metapher verborgenen Wahrheiten wurden wörtlich ausgelegt, wodurch ihr wahrer Sinn verloren ging.

Aus diesen wenigen Andeutungen geht hervor, dass weltliche Religionen, je weiter sie sich zeitlich von ihrem Gründer entfernen, degenerieren und durch menschlichen Unverstand entstellt werden. Doch die Quelle, aus der sie hervorkamen, besteht seit Menschengedenken unverändert, weil ihre Basis die Natur selbst ist. Es gibt nur eine Natur! Dieser einen Natur, deren gesamter irdischer wie kosmischer Aufbau mathematisch derart exakt ausbalanciert ist, dass kein menschlicher Geist ihn jemals nachvollziehen kann, müssen Intelligenz, Bewusstsein, Kräfte und Mächte inhärent sein. Diese Grundprinzipien können jedoch nur an Wesenheiten gebunden sein, wie alles in der Natur ausschließlich durch und mittels Wesenheiten besteht, die miteinander und füreinander das große Netzwerk der Natur bilden. Sie werden gelenkt und geleitet von Wesenheiten einer höheren Evolutionsstufe, deren Bewusstsein, Intelligenz sowie Denkvermögen denen des weniger evolvierten Menschen weitaus überlegen sind. Daher auch das Wort Theosophie mit der griechischen Bedeutung „Weisheit der Götter“. Im Sanskrit, der ältesten noch gebräuchlichen Gelehrtensprache, kann Theosophie auch Bodhidharma  genannt werden, auch ist Theosophie gleichbedeutend mit Brahma-Vidyâ, der „Göttlichen Weisheit“, die zu keiner Zeit an einen persönlichen Gott gebunden war. Das Unbegrenzbare wird nicht begrenzt. In den sanskritischen Veden wird das Unbegrenzbare auch JENES genannt.2

Die Lehren über die tiefgreifenden Zusammenhänge in der Natur wurden in ihrer esoterischen Auslegung zwar niemals in allen Einzelheiten öffentlich gelehrt, wohl aber in den Mysterienschulen, die zu allen Zeiten bestanden. Erst mit der Schließung der letzten Mysterienschulen Roms und besonders Griechenlands wurden die Lehren der Öffentlichkeit entzogen, und daher sind sie heute so gut wie unbekannt.

Diese nicht zu widerlegenden, nachprüfbaren Tatsachen zu erkennen ist äußerst wichtig, weil sich unsere materialistische Einstellung, das gesamte Weltbild unserer Zeit, auf den zyklischen Ablauf des Seins gründet beziehungsweise darin ist. Unsere heutige Kultur sowie unsere Wissenschaft gründen sich zum großen Teil auf die Kultur und das Wissen der alten Griechen. Die römische Kultur war bereits noch stärker degeneriert als zur Zeit Menes’. Der Abstieg aus dem Spirituellen begann, wie schon gesagt, vor etwa 5000 Jahren, und das heutige materialistische Denken hat vor gut 2000 Jahren seinen Anfang genommen. Die Auswirkungen dieser Denkweise lassen weitere logische Folgerungen zu.

Unbestreitbar war das degenerierte Denken in allen Bereichen der Grund für das dunkle Mittelalter, und nicht nur das, es ist zugleich die weitverbreitete Grundlage für den Egoismus, der der materialistischen Einstellung zugrunde liegt. Schuld daran ist das Zusammenwirken verschiedenster Faktoren menschlicher Schwächen. So können wir sinngemäß in verschiedenen Berichten etwa Folgendes lesen: „Bis ins Mittelalter hinein herrschte die Ansicht, der Mensch und die Erde seien der Mittelpunkt der Weltordnung. Erst Kopernikus (1473–1543) und Kepler (1571–1630) änderten diese statische Weltsicht zugunsten eines dynamischen Kosmos, zumindest legten sie die Grundlagen dazu, indem sie das heliozentrische Weltbild verkündeten.“ Doch zu sagen „bis ins Mittelalter“ ist eine grobe, fahrlässige Unwahrheit. Diese Lehre wurde im Mittelalter verkündet, wie jeder weiß, aber niemals bis ins Mittelalter, denn das Mittelalter war gekennzeichnet durch einen Tiefpunkt der Degeneration und des Nichtverstehens der Lehren früherer Zeitalter.

Das heliozentrische Weltbild, das besagt, dass sich die Erde und die Planeten um die Sonne bewegen, war praktisch allen zivilisierten Völkern des Altertums bekannt, desgleichen die Dynamik des Kosmos und darüber hinaus natürlich weitaus mehr. Was an Wissen über den Kosmos auch heutiger Wissenschaft noch verborgen ist, wurde seit jeher in den Mysterienschulen gelehrt. Doch auch das alte geozentrische Weltbild, bei dem Mensch und Erde als Mittelpunkt betrachtet wurden, hat, um bestimmte Abläufe erkennen zu können, durchaus seine Berechtigung. Und wenn heute in modernsten Werken gesagt wird – ich zitiere sinngemäß –: „Jedoch auch die moderne Kosmologie kann die Existenz des Universums und alle seine ihm ursächlich zugrunde liegenden Eigenschaften nicht erklären“, so könnte hinzugefügt werden: Solange wir in dem Aberglauben gefangen sind, alles Sein, alles Leben, Bewusstsein und Intelligenz sowie die Ordnung und Harmonie in der Natur seien durch blinden Zufall oder sonstige Einflüsse aus bloßer Materie entstanden, so lange werden die tieferen Zusammenhänge des Lebens für den nachdenklichen Geist des Menschen wenig oder kaum zufriedenstellend erklärt werden können.

Forschung aktuell

Ein Beispiel soll dies verdeutlichen: Eines der gravierendsten Projekte moderner Forschung in der Physik, das auf völliger Unkenntnis der Materieeigenschaften oder -grundlagen beruhte, war die Hadron-Elektron-Ring-Anlage (HERA) in Hamburg, die damals größte Forschungsanlage in Deutschland für die sogenannte Teilchenbeschleunigung. 2007 wurde die Anlage stillgelegt. Der Betreiber, das Deutsche Elektronen-Synchrotron (DESY), nutzt heute den supraleitenden Linearbeschleuniger FLASH. Weltweit bekannter ist der Large Hadron Collider des Europäischen Kernforschungszentrums CERN bei Genf, der als leistungsstärkster Beschleuniger der Welt gilt und in dem im Juli 2012 das Higgs-Teilchen nachgewiesen wurde. Ziel der Wissenschaftler war es, die wichtigsten Bausteine der Materie, insbesondere Protonen und Elektronen, mit sehr hohen Energien aufeinanderprallen zu lassen. Hieraus erhoffen sich die Elementarteilchenphysiker neue Erkenntnisse über den Grundaufbau der Materie. Sie untersuchen die angeblich kleinsten Bausteine der Materie und die Wechselwirkung zwischen ihnen. Ebenso erhoffen sie sich ein weiterführendes Verstehen der kosmologischen Entwicklung des Weltalls sowie der physikalischen Prozesse, die in der Sonne vor sich gehen sollen.

Doch die Theosophie, und mit ihr alle früheren großen Kulturepochen, lehrten und lehren auch heute noch, dass es keine „kleinsten Bausteine“ oder Urteilchen der Materie geben kann. Heutige Wissenschaftler jagen einem Phantom nach! Denn dort, wo ihre physikalischen Möglichkeiten aufhören, Materie nachzuweisen, findet der Übergang zu feinstofflicheren Welten oder Schwingungsfrequenzen statt. Kleinste Urteilchen der Materie lassen sich daher nicht feststellen, denn Materie ist kristallisierte Kraft, und diese Kraftpartikel sind eben keine Materie. In einer Unendlichkeit ist es unsinnig, alles auf Materie begrenzen zu wollen. Die einzigen Schranken, die es gibt, zieht sich der Mensch selbst.

Teilchenbeschleunigungsanlagen wie die mit einem enormen Aufwand von 9,5 Milliarden DM errichtete HERA sind, abgesehen von dem horrenden finanziellen Aufwand, Weltenzerstöreranlagen ohnegleichen, denn die Protonen und Elektronen werden durch den ungeheuren Aufprall zerstört. Was die Wissenschaftler jedoch (noch) nicht ahnen, ist, dass durch die Zerstörung neue, in dieser Art in der Natur nicht vorkommende Elementarteilchen entstehen, da ja auch die Protonen und Elektronen ihrerseits aus noch kleineren Subelementarteilchen zusammengesetzt sind. Die sich hieraus ergebenden Auswirkungen und ihre Spätfolgen für unsere gesamte Atmosphäre sind noch nicht absehbar. FCKW, Abgase, Kohlendioxid, Funkwellen und Ähnliches – wie lange noch kann unsere schöne Erde all diesen die Atmosphäre zerstörenden Giften standhalten?

Allein dieses Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, altes Wissen wieder in das Bewusstsein der Menschen zurückzubringen. Das Wissen um die Hintergrunde allen Seins ist ja niemals verloren gegangen, doch das darwinistische Erbe verhindert auch heute noch zu einem nicht unerheblichen Teil den zyklisch erforderlichen Aufstieg in eine von Geist und Intelligenz geleitete Evolution. Daher ist es so wichtig, um diese Zusammenhänge zu wissen, zu wissen, wie beherrschend die Stellung des Menschen ist. Der Mensch ist in der Lage, das zyklische Geschehen entweder zu seinem eigenen Wohl oder zu seinem Wehe zu beeinflussen, zu seinem evolutionären Abstieg oder zu seinem Aufstieg, seiner eigentlichen Bestimmung!

Forschung im Hypothesen-Dschungel

Auf Unkenntnis gründen sich in heutiger Zeit die meisten materialistisch geprägten Theorien und Hypothesen, von denen eine auf der anderen aufbaut – das ist unser sogenannter Fortschritt! Die verhängnisvolle Halbwahrheit des Darwinismus über die Entstehung der Arten ist aus dem Grunde nur eine Halbwahrheit, weil sie lediglich die Form, die Manifestation beschreibt, den wirklichen Kern, die geistig-spirituelle Evolution des Menschen jedoch völlig unberücksichtigt lässt. Der Versuch zu verstehen, dass menschliche Eigenschaften wie Selbstbewusstsein, die Fähigkeit des Denkens, Verantwortungsbewusstsein und dergleichen das Ergebnis „toter, lebloser Materie“ sein können, käme einer Gehirnakrobatik gleich. Jeder normal denkende Mensch wird sich bei diesem Versuch fragen, wie es möglich ist, dass eine derartige, der Vernunft widersprechende Theorie nicht nur noch immer an Schulen gelehrt wird, sondern die Wissenschaft in vielen ihrer Bereiche grundlegend am Fortschritt hindert. Die eindeutige Frage ist doch: Wie kann Leben aus toter Materie entstehen?

Die eigentliche Evolution bezieht sich auf die innewohnende Wesenheit, auf ihren Kern, ihre Essenz, sie ist der Zweck und das Ziel unseres Daseins. Der Körper dient der inneren Wesenheit lediglich als Vehikel, durch das sie sich zum Ausdruck bringt. Daher ist es nicht möglich, mit einer Theorie, die sich auf die reine „Transformation“ der Formen bezieht, den Sinn des Lebens zu erklären. Die Menschen werden in die Irre geführt, die Degeneration, die vor etwa 5 000 Jahren ihren Anfang nahm, findet auch heute ihren traurigen Niederschlag. Weitere Beispiele aus der Biologie oder anderen Zweigen der Wissenschaft in Bezug auf Leben und Tod verhindern ebenso den Fortschritt aus den Fesseln des materialistisch geprägten Hypothesen-Dschungels. Er hindert uns daran, hinter die Schleier zur Realität der Natur zu gelangen.

Wenn im Mittelalter die Erde als Scheibe angesehen wurde und die damaligen Menschen Angst hatten, an ihren Rand zu geraten, weil sie meinten, hinunterfallen zu können, so ist heute das materialistische Denken derart, dass Forscher nicht wagen, Entdeckungen zu machen, die sich mit dem gewohnten Denken nicht vereinbaren lassen. Theorien müssen aufrechterhalten werden, sie infrage zu stellen hieße, die Wissenschaft als unglaubwürdig dastehen zu lassen. Sollte dennoch, was immer schwerer wird, einem ernsthaften Forscher eine Entdeckung gelingen, die bestehenden Theorien entgegensteht oder die nicht in das gewohnte Schema passt, sehen wir uns wieder mit dem Mittelalter konfrontiert. Nur gut, dass diese mutigen Menschen nicht mehr auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden!

Wollen wir zu Weisheit und damit zu innerem Frieden, zu Freiheit und einer menschlicheren Welt gelangen, so müssen wir sie in ihren tieferen Zusammenhängen erkennen und als eine Einheit betrachten. Auch Religion, Wissenschaft und Philosophie sind keine getrennten Denkkästen, unabhängig voneinander, getrennt von den anderen, die für sich selbst bestehen. Sie bilden vielmehr eine Synthese, eine Einheit, und die Anwendung der gewonnenen Erkenntnisse aus dieser Einheit bildet die Gewähr, zu Wahrheit und Weisheit zu gelangen. Der Weg zum Erreichen dieses hohen Zieles liegt in jedem Menschen selbst. Nur er selbst kann, ja muss diesen Weg gehen, wenn er das Ziel einer von Geist und Intelligenz geleiteten Evolution erreichen will. Darum Theosophie als Chance. Ihre Lehren sind die Hoffnungsträger für morgen! Sie sind nicht auf Hypothesen, Theorien, Dogmen oder auf Glauben errichtet, vielmehr basieren sie einzig und allein auf den Grundgesetzen der Natur. Sie sind nachvollziehbar und brauchen nicht geglaubt zu werden. Ein wichtiger Schlüssel zum Verstehen der Gesetzmäßigkeiten, die allen Naturvorgängen zugrunde liegen, ist die Analogie.

Theosophie, die gemäß griechischer Definition göttliche Erkenntnis, die Weisheit der Götter ist, bietet Forschungsansätze in allen Wissenschaftsbereichen, erfordert jedoch ein grundsätzliches Umdenken! Alte Gedankenzäune müssen niedergerissen werden, damit die drei gravierendsten Irrlehren, auf denen die gesamte wissenschaftliche Forschung aufbaut, durch ein neues, konstruktives Denken und Studium ersetzt werden können.

Diese drei so folgenschweren Irrlehren sind:

  1. Die Annahme, es gäbe tote Materie.
  2. Die darwinistische Transformationstheorie, die mit Evolution verwechselt wird.
  3. Die Hypothese der Entstehung von Welten quasi aus dem Nichts (zum Beispiel die Urknalltheorie).

Zu Punkt 1:
Es gibt keine tote Materie. Die Formen, die Körper, zerfallen zwar, sind jedoch von einem ungeheuren Leben, von lebenden Wesenheiten aufgebaut und zusammengesetzt, das heißt, sie setzen auch wieder Leben frei.

Zu Punkt 2:
Die darwinistische Transformationstheorie erklärt lediglich die Weiterentwicklung der Körper, das Überleben des Tauglichsten. Eine von Geist und Intelligenz geleitete „Evolution“ bleibt völlig unberücksichtigt. Intelligenz, Gefühl, Moral und Ethik sowie die wichtigsten Eigenschaften des Menschen, das Denken und das Selbstbewusstsein, finden im Darwinismus keine Berücksichtigung.

Zu Punkt 3:
Die Entstehung von Welten infolge eines Urknalls oder auf der Basis ähnlicher Hypothesen ist eine rein wissenschaftliche, durch nichts bewiesene Spekulation, die selbst von ernsthaften Forschern infrage gestellt wird. Wie aus einem Urknall, aus lebloser Materie oder dem Nichts intelligente Geschöpfe und schließlich der Mensch entstehen, muss selbst für Wissenschaftler ein unerforschliches Rätsel bleiben!

Es mutet geradezu unglaublich an und ist zudem nicht nachvollziehbar, dass sich auf eben diesen drei spekulativen und niemals bewiesenen Grundsätzen der Wissenschaft unser derzeitiges Weltbild aufbaut. Dies kann nicht drastisch genug betont werden! Diese auf Spekulationen aufgebauten Theorien sind der Grundstein, der Nährboden für die ständig zunehmende Kriminalität, für den Verlust ethischer Werte und nicht zuletzt auch für die gefühlsmäßige Verrohung, die sich zum Beispiel in der Forschung bei Tierexperimenten und in der Massentierhaltung zeigt. Menschliche Grausamkeit stellt alles Vorstellbare in den Schatten. Der Anblick der geschundenen Kreatur in Forschung und Wissenschaft wirft die Frage auf, ob menschliches Handeln dem Anspruch von „Humanitas“, Menschlichkeit, gerecht wird.

Auch die Gentechnik muss grundlegend hinterfragt werden. Eine Manipulation der Natur wird auf Dauer die Lebensgrundlagen der Menschheit schwerwiegend verändern. Noch ist nicht absehbar, welche Ausmaße der Eingriff in die komplexe Vernetztheit der Natur haben wird.3 Ebenso der Natur widersprechend ist die Transplantationsmedizin, deren Auswirkung auf die Psyche, die Persönlichkeit und die Evolution aller Beteiligten noch längst nicht erkannt wird. „Nächstenliebe“ ist ein viel missbrauchtes Wort, das nicht nur aus Unkenntnis manipulativ vermarktet wird.

Drogen- und Alkoholsucht sind weitere tragische Beispiele für die „Seelenleere“, die aus dem propagierten materialistischen Weltbild resultiert. „Seelenleere“ deshalb, weil mit Rauschgiften, Alkohol oder übermäßigem Nikotinkonsum mit der Zeit nicht nur der physische Körper zerstört wird, sondern über den Astralkörper auch die Seele des Menschen. Wohin das materialistisch geprägte Weltbild die Menschheit gebracht hat, wird tagtäglich deutlicher. Es geht nicht mehr nur darum, die Wälder, die Meere, die Luft zu retten, Tiere vor dem Aussterben zu bewahren, Kriege zu verhindern, es geht inzwischen tatsächlich um den Fortbestand der Menschheit schlechthin.

Die vor etwa 2000 Jahren begonnene kulturelle Degeneration deutet auch darauf hin, dass es vor ihrem Zerfall Hochkulturen gab, deren wissenschaftlich-philosophischer Erkenntnisstand dem unseres Zeitalters weit überlegen war. Wir schreiben derzeit ein graues Kapitel in der Menschheitsgeschichte, das völlig umgeschrieben werden muss, wenn wir uns nicht selbst weiterhin unsere Lebensgrundlagen zerstören wollen.

Die Theosophie, die Esoterische Philosophie, hält die Schlüssel zum Aufbrechen verkrusteter Denkschablonen für alle Zweige der Naturwissenschaften bereit. Sie enthält die Grundlagen für ein neues Denken, in dem Leben und Bewusstsein die tragenden Säulen sind, die an die Stelle von Zufall und toter Materie treten. Sie ersetzt Gewalt und Terror sowie absichtliche Manipulation durch ein von Ethik und Erkenntnis getragenes Weltbild, das dem Menschen wieder seine ursprüngliche Stellung zuweist: Mensch zu sein im Sinne wahrer Humanität, wahrer Menschlichkeit. Doch ist ein anders Denken, ein Umdenken erforderlich. Hypothesen und Theorien müssen hinterfragt werden. Die zeitalteralten Lehren über Mensch, Natur und Kosmos sind nie verloren gegangen, sie sind die Hoffnungsträger, das Wissen der Zukunft.

Der Aufbau des Kosmos, wenn in Analogie zu dem des Menschen gesetzt, zeigt, dass es keine tote Materie gibt. Eine Aussage von außerordentlicher Bedeutung! Es gibt nur lebende, in Entwicklung begriffene Wesenheiten, die einander aufbauen und durch Evolution das ungeheure Netzwerk der Natur bilden. Leben und Tod bilden in diesem Netzwerk das zyklisch bedingte Stirb und Werde im ewigen Kreislauf der Natur. Eines baut auf dem anderen auf, ewig lernend, ewig evolvierend zu höheren Stufen des Bewusstseins!

Doch liegt es in der Hand des Menschen, wohin er tendiert: Folgt er dem abwärtsführenden Zyklus oder bewältigt er den Aufstieg, es liegt allein in des Menschen Hand!

Gedanken sind die stärksten Kräfte im Universum!

 

1 Vgl. H. P. Blavatsky: Die Geheimlehre. Hannover, 2012, Bd. I, S. 42.

2 Vgl. auch: William Q. Judge: Bhagavad Gîtâ – Studienausgabe. Hannover, 2014; und Judith M. Tyberg: Die Sprache der Götter – Sanskrit als Schlüssel zu den Mysterienlehren. Hannover, 2012.

3 Antonia Donta: Gentechnik - Zwischen Hoffnung und Illusion. Edition Ursachenforschung, Bd. 4, Hannover, 2015.

 

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