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Theosophie – Altes Wissen in neuem Gewand

Wenn heute von Theosophie gesprochen wird, fällt unweigerlich auch der Name ihrer Mitbegründerin in neuerer Zeit: Helena Petrowna Blavatsky. Ihre schillernde Persönlichkeit war und bleibt vielen ihrer Anhänger, Freunde und Widersacher ein Mysterium. Was meist übersehen wird, ist, dass Blavatsky vor mehr als 130 Jahren zu einer Zeit kam, in der der krasse Materialismus in voller Blüte stand. Das wissenschaftliche Denken in akademischen Kreisen ließ keine andere Form des Denkens zu als das der materiellen Abwägbarkeit. Vor diesem Hintergrund war die Auseinandersetzung Blavatskys mit der Wissenschaft über die fundamentalen Fragen unseres Daseins fast ausweglos, obgleich Blavatsky angesichts ihres erstaunlich fundierten Wissens die Bewunderung aller auf sich zog.

Ebenso wie der damalige Materialismus das Denken der Menschen beherrschte, florierte, sozusagen als Gegenpol, der Spiritismus in all seinen ausufernden Erscheinungen. Wenn nun Blavatsky im Allgemeinen mit Theosophie gleichgesetzt wird, verwundert dies nicht, denn ihre Aufgabe, Theosophie erneut aus der Vergessenheit archaischer Überlieferungen zu befreien, bedurfte extremer und außergewöhnlicher Anstrengungen. Doch trotz aller Schwierigkeiten und Hemmnisse, die ihr in den Weg gelegt wurden, gelang es ihr, der Welt zu zeigen, dass Theosophie nicht das Werk eines Einzelnen ist, dass sie weder durch Menschengeist erfunden wurde noch aus den Annalen des Menschengeschlechts gestrichen werden kann.

Theosophie hat schon immer bestanden und wird auch in ferner Zukunft unbeeinflusst von menschlicher Ignoranz bestehen. Als „Weisheit der Götter“ ist sie unauslöschbar in der Evolution des Menschen und seiner Menschheitschronik verankert. Sie zeigt in die Vergangenheit, befruchtet die Gegenwart und ist ein Hoffnungsträger für all jene, die nach einem Sinn in ihrem Leben suchen und sich nach Frieden in der Welt sehnen.

Von Bärbel Ackermann

„Die Theosophie ist kein von Menschen erfundener oder formulierter Glaube und kein Dogma, sondern sie ist die Kenntnis von den Gesetzen, die die Evolution der physischen, astralen, psychischen und intellektuellen Bestandteile der Natur und des Menschen regieren. […] Deshalb ist sie in sich selbst vollständig und sieht nirgends ein unlösbares Geheimnis; sie streicht das Wort ‚Zufall‘ aus ihrem Wörterbuch und erkennt die Herrschaft des Gesetzes in jedem Ding und in allen Umständen und Ereignissen.“(1)

Zu keiner Zeit beschränkte sich die Theosophie daher auf einen Gott im Sinne eines allmächtigen alleinigen Schöpfers. Theosophie ist weder, wie oft irrtümlich angenommen wird, christlich orientiert noch buddhistisch oder hinduistisch, noch kann sie mit anderen religiösen Richtungen in Verbindung gebracht werden. Sie ist Religion an sich, nach Cicero: „gewissenhaftes Beobachten“. Demzufolge beinhaltet Theosophie insbesondere ein tiefes „Naturstudium“. Dabei kommt dem hierarchischen Aufbau sowie der Zusammengesetztheit allen Seins eine fundamentale Bedeutung zu, die sich wie ein roter Faden durch Blavatskys Werke zieht. Ohne ein Verstehen dieser beiden grundsätzlichen Lehren, die sowohl kosmisch als auch irdisch auf den Menschen anwendbar sind, ist es nicht möglich, in die geheimen Kammern des Seins, hinter die Schleier der Natur zu gelangen.

Das Wort „Theosophie“ stammt aus dem Griechischen und ist zusammengesetzt aus theos, „göttliches Wesen“, und sophia, „Weisheit“. Im Glossar zum Schlüssel zur Theosophie bezeichnet Blavatsky „Theosophie“ als „göttliche Weisheit“ oder „Weisheit der Götter“. Hieraus ist deutlich erkennbar, dass Theosophie nachdrücklichst nicht das religiöse System eines Gottes ist!

Von Purucker, Präsident der Theosophischen Gesellschaft in Amerika von 1929 bis 1942, gibt den Begriff „Theosophie“ wie folgt wieder: „Die Theosophie ist keine Vermischung von Philosophie, Religion und Wissenschaft. Sie ist kein Gedanken- oder Glaubenssystem, das stückweise zusammengesetzt wurde und aus Teilen oder Bruchstücken besteht, die irgendein großer Geist von anderen, sich unterscheidenden Religionen oder Philosophien übernommen hat. Dieser Gedanke ist nicht richtig. Im Gegenteil, die Theosophie ist das System oder die systematische Formulierung jener Tatsachen, die der sichtbaren und unsichtbaren Natur zugrunde liegen, und sie findet durch den erleuchteten menschlichen Verstand ihren Ausdruck in den scheinbar separaten Zweigen der Wissenschaft, Philosophie und Religion. Die Theosophie kann ebenso auch als jenes System erklärt werden, das in menschlicher Sprache die Natur, die Struktur, den Ursprung, die Bestimmung und die Tätigkeiten des kosmischen Universums und der Scharen von Wesenheiten beschreibt, die es erfüllen.“(2)

Theosophie gibt eine zutiefst befriedigende Erklärung auf die Frage nach dem Sinn des Lebens. Sie kann mit Recht auch Philosophie genannt werden, denn sie liefert dem Verstand Erklärungen für die mannigfaltigen Erscheinungen des Lebens, die wir um uns herum beobachten können. Sie umfasst das Wissen über die ineinandergreifenden ursächlichen Lebenszusammenhänge auf allen Ebenen kosmischen Seins. Ebenso ist sie Wissenschaft, die auf jedes Phänomen der physischen Welt angewandt werden kann. Sie ist die Grundlage für wahre Ethik und beinhaltet die Ausübung von Pflichten gegenüber Mensch und Natur.

In ihrer praktischen Verwirklichung ist Theosophie eine rein göttliche Ethik. Sie bezieht sich nicht auf einen anthropomorphisierten, persönlichen Gott, sondern auf göttliche Wesen: auf Wesenheiten, die dem Menschen in der Evolution vorausgehen und folglich ihre höheren, geistigen Fähigkeiten und Kräfte wesentlich weiter entwickelt haben, als es dem heutigen Menschen bisher gelungen ist.

In der Einleitung zur Geheimlehre(3) schreibt Blavatsky: „In jedem Jahrhundert wird ein Versuch gemacht, der Welt zu zeigen, dass Okkultismus kein leerer Aberglaube sei.

Nachdem einmal das Tor ein wenig offen stehen durfte, wird es mit jedem neuen Jahrhundert weiter geöffnet werden. Die Zeiten sind reif für eine ernstere Erkenntnis, als bisher gestattet war, wenn auch selbst jetzt noch in nur sehr engen Grenzen. Sind nicht auch die Veden selbst noch vor fünfzig Jahren verlacht, verworfen und ‚eine moderne Fälschung’ genannt worden? Wurde nicht seinerzeit Sanskrit nach Lemprière und anderen Gelehrten für einen vom Griechischen abstammenden Dialekt erklärt? ,Um 1820‘, erzählt uns Prof. Max Müller, ‚waren alle heiligen Bücher der Brâhmaen, der Magier und der Buddhisten nahezu unbekannt, in ihrer bloßen Existenz angezweifelt, […] und jetzt erweisen sich die Vedas als das Werk des frühesten Altertums, dessen Erhaltung fast auf ein Wunder hin­ausläuft.‘“

Und weiter sagt sie(4): „Ist Theosophie eine neue Religion? [...] Keineswegs, sie ist weder eine ,Religion‘, noch ist ihre Philosophie ,neu‘, denn, wie bereits gesagt, ist sie so alt wie der denkende Mensch. Ihre Lehrsätze werden jetzt nicht zum ersten Mal veröffentlicht, sondern sie wurden vorsichtig mehr als einem europäischen Initiierten bekannt gemacht und von ihm weiter gelehrt.“

Diese Weisheitsreligion oder Theosophie wurde seit Menschengedenken im Geheimen gelehrt und immer wieder auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft. In jedem Zeitalter war sie zudem der Keimboden für verschiedene öffentliche Lehren, die einige ihrer Grundprinzipien in vereinfachter Ausdrucksweise zeitgemäß darzustellen versuchten. Nahezu alle großen Weltreligionen und -philosophien weisen entsprechende Gemeinsamkeiten auf. Die Neuplatoniker zum Beispiel, die in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung das platonische Denken noch einmal zur Blüte brachten, nannten sich unter anderem auch Theosophen. Gleiches gilt für die mittelalterlichen Alchimisten, die in vieler Hinsicht die Vorläufer unserer heutigen Naturwissenschaftler waren, sowie für große mittelalterliche Denker wie Giordano Bruno, Jakob Böhme oder Louis Claude de Saint-Martin.

Die Weisheit bleibt immer dieselbe. Sie birgt das Letzte, was menschlicher Erkenntnis zugänglich ist, und daher wurde sie stets sorgfältig gehütet. Sie bestand schon lange vor der Alexandrinischen Schule und besteht heute noch.

Jede alte Religion und jeder philosophische Kultus hatten eine esoterische (geheime) und eine exoterische (öffentliche) Lehre. Auch ist bekannt, dass jede Zeit und jedes Volk ihre großen (geheimen) und kleinen (allen zugänglichen) Mysterien hatten, wie zum Beispiel die berühmten eleusinischen Feste in Griechenland.

Die Hierophanten von Samothrake und Ägypten, die eingeweihten indischen Brâhmaen, die späteren hebräischen Rabbis, alle hielten aus Angst vor Profanierung ihre tiefsten Erkenntnisse geheim. Die jüdischen Rabbis nannten ihre öffentlichen Religionsausübungen „Merkaba“ oder den äußeren Körper, die Hülle, die die Seele, die höchste Erkenntnis, verbirgt. Die Priester der alten Religionen haben der großen Masse nie ihre innersten philosophischen Erkenntnisse mitgeteilt, sie gaben ihnen nur die Schalen.

Der nördliche Buddhismus unterscheidet zwischen dem größeren und dem kleineren Fahrzeug: zwischen Mahâyâna, der esoterischen, und Hînayâna, der exoterischen Schule. Pythagoras nannte seine Gnosis „die Kenntnis von den Dingen, die sind“, und übermittelte diese Erkenntnis nur seinen vereidigten Schülern, denn nur sie waren wirklich imstande, diese Nahrung zu verdauen und ihren Wert zu erkennen. Er verpflichtete seine Schüler zum Schweigen. Die alten ägyptischen Schriften verwendeten ein geheimes Alphabet und geheime Zeichen, und nur Hierogrammatiker und eingeweihte Priester kannten den Schlüssel dazu.

Die Biographen des Ammonios Sakkas erzählen, dass er seine Schüler eidlich verpflichtet habe, die esoterischen Lehren nur denen mitzuteilen, die genügend vorbereitet und ihrerseits durch Eid gebunden waren. Bei den ersten Christen, den Gnostikern, ja in den christlichen Lehren finden wir Ähnliches. Christus sprach zum Volk in Gleichnissen, die eine zweifache Bedeutung hatten, und über die tiefsten Erkenntnisse sprach er nur mit seinen Jüngern. Aus allen Ländern sind ähnliche Hinweise zu erhalten.

Theosophie ist also kein neues System. Sie ist so alt wie die Menschheit. Ihre Lehren und ihre Ethik wurden zu allen Zeiten verbreitet.

Die Ziele der Theosophischen Gesellschaft

Die Ziele der Theosophischen Gesellschaft lauteten ursprünglich:

  1. Bruderschaft unter den Menschen, ohne Unterscheidung von Rasse, Farbe, Religion oder sozialer Stellung;
  2. Studium der alten Weltreligionen mit dem Ziel, sie zu vergleichen und aus ihnen universale Ethik herauszulesen;
  3. Studium und Entwicklung der latenten göttlichen Kräfte im Menschen.

1929 wurden die Ziele von dem damaligen Präsidenten der Gesellschaft, von Purucker, wie folgt erweitert:

  1. Unter den Menschen die Kenntnis der im Weltall waltenden Gesetze zu verbreiten.
  2. Zu lehren, dass alles Sein dem inneren Wesen nach EINS ist, und zu beweisen, dass diese Einheit der Natur zugrunde liegt.
  3. Eine tätige Bruderschaft unter den Menschen zu bilden.
  4. Alte und moderne Religion, Wissenschaft und Philosophie zu studieren.
  5. Die dem Menschen innewohnenden Kräfte zu erforschen.

Grundlehren der Theosophie

Die Lehren der Theosophie gründen sich auf die Grundprinzipien und die Wirkungsweisen der Natur. Sie resultieren aus den Erkenntnissen und Erfahrungen der großen Weisen des Menschengeschlechts, die der Menschheit in ihrer Evolution bereits weit vorausgegangen sind. Sie berücksichtigen die drei großen Denkrichtungen: Wissenschaft, Philosophie und Religion.

In Die Geheimlehre stellt Blavatsky drei fundamentale Sätze auf, auf denen die Theosophie beruht. Sie postuliert:
„1. Ein allgegenwärtiges, ewiges, grenzenloses und unveränderliches PRINZIP, über das gar keine Spekulation möglich ist, da es die Kraft menschlicher Vorstellung übersteigt und durch irgendwelche menschliche Ausdrucksweise oder Vergleich nur erniedrigt werden könnte. […]
2. Die Ewigkeit des Weltalls in toto als einer grenzenlosen Sphäre, die periodisch ,der Spielplatz ist von zahllosen unaufhörlich erscheinenden und verschwindenden Universen‘, den sogenannten ,manifestierenden Sternen‘ und ,den Funken der Ewigkeit‘. […]
3. Die fundamentale Identität aller Seelen mit der universellen Oberseele, welch Letztere selbst ein Aspekt der unbekannten Wurzel ist; und die Verpflichtung für jede Seele – einen Funken der vorgenannten –, den Zyklus von Inkarnation oder ‚Notwendigkeit‘ in Übereinstimmung mit zyklischem und karmischem Gesetz während seiner ganzen Dauer zu durchwandern.“(5)

Kosmologie und Anthropologie basieren auf fundamentalen Prinzipien der sowohl physischen als auch metaphysischen Natur. In dem anfang- und endlosen Universum ist alles Existierende, jede Wesenheit, in seiner fundamentalen Essenz mit dem kosmischen Bewusstsein verwandt und wird von ihm in allen seinen Teilen belebt und beseelt. Damit sind alle Lebewesen in einer unauflösbaren Universalen Bruderschaft miteinander verbunden.

In Perioden zyklischer Wiederkehr manifestieren sich die evolvierenden Seelen in Leben um Leben in ihrer Mannigfaltigkeit, indem sie für jeden Daseinsbereich einen ihrem Evolutionsstadium entsprechenden Körper aufbauen. Sie folgen so dem Pfad der Evolution und entfalten ihre inhärenten Kräfte. Ein Ende oder Vollkommenheit erreichen sie dabei jeweils nur innerhalb einer Hierarchie.

Da jede Hierarchie wiederum von geringeren Hierarchien aufgebaut wird, existieren Hierarchien innerhalb von Hierarchien und Welten innerhalb von Welten, deren Zyklen wie Räder innerhalb von Rädern ineinandergreifen. Alles bedingt und belebt sich in einem steten Miteinander und bildet letztlich eine unauflösbare lebende Einheit, die sich in vielfältiger Verschiedenheit manifestiert, denn es gibt nichts Totes. Alles ist in einem steten Fließen und verändert sich kontinuierlich. Es gibt keinen Stillstand. Bewegung und Veränderung aber bedeuten Leben und bedingen ein in allen seinen Teilen von Bewusstsein durchdrungenes lebendiges Universum. Alles lebt und evolviert in und mit ihm und prägt als ein aktiv gestaltender Teil des Ganzen die Evolution des großen kosmischen Geschehens mit.

Durch das Gesetz von Karman wird jede Wesenheit, jedes Individuum, immer wieder dorthin zurückkehren, wo ihre in einem früheren Leben gelegten karmischen Saaten zur Entfaltung gelangen können. Sie wird unweigerlich mit ihren eigenen karmischen Impulsen wieder konfrontiert. Karman ist somit die Lehre von der unbedingten Gerechtigkeit. Die Zwillingslehre von Karman ist die Lehre von der Reinkarnation, der Wiederverkörperung. Gemeinsam erklären die beiden Lehren die Notwendigkeit der zyklischen Rückkehr eines jeden Individuums in die Manifestation und beschreiben die Wanderung der Lebensatome.(6)

Der Mensch ist als ein integraler Teil des Universums, ein Mikro­kosmos im Makrokosmos. Er spiegelt alle fundamentalen Prinzipien des Universums wider. So wie das Universum eine 7-, 10- oder 12-fältige Struktur aufweist, ist auch die menschliche Konstitution 7-, 10- oder 12-fältig. Sie besteht aus sterblichen, bedingt sterblichen und unsterblichen Substanz-Prinzipien. Der bedingt sterbliche Teil, die menschliche Seele, ist der eigentliche evolvierende Mensch und der reinkarnierende Teil. Im Laufe seiner äonenlangen Entwicklung hat der Mensch infolge der Erweckung durch unsere Vorfahren, die Götter, relatives Selbstbewusstsein erlangt. Er kann frei entscheiden, ob er dem Pfad linker Hand, dem niederen, sterblichen Teil seiner dualen Natur, folgen möchte oder ob er bereit ist, dem Pfad rechter Hand zu folgen und dem höheren, unsterblichen Teil seiner inneren Göttlichkeit zuzustreben.

Und Blavatsky schreibt(7): „So ist der Lauf der Natur unter der Herrschaft des zyklischen Gesetzes; der ewig gegenwärtigen und ewig werdenden Natur. Denn, nach den Worten eines Weisen, der nur wenigen Okkultisten bekannt ist: Die Gegenwart ist das Kind der Vergangenheit; die Zukunft das Erzeugnis der Gegenwart. Und doch, o gegenwärtiger Augenblick! weißt du nicht, dass du keinen Vater hast, noch ein Kind haben kannst; dass du immer nur dich selbst erzeugst? Bevor du auch nur angefangen hast zu sagen: ,Ich bin die Nachkommenschaft des entschwundenen Augenblickes, das Kind der Vergangenheit‘, bist du selbst jene Vergangenheit geworden. Bevor du die letzte Silbe aussprichst, siehe! bist du nicht mehr die Gegenwart, sondern fürwahr jene Zukunft. So sind die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft die ewig lebende Dreiheit in der Einheit – die Mahâmâyâ des absoluten ,IST‘.“

Und gegen Ende des ersten Bandes von Isis Entschleiert(8) wendet sich Blavatsky mit einem Appell an jene, die noch Zweifel hegen, aber dennoch nach Wahrheit ringen: „Den wenigen hochstehenden Geistern, die die Natur befragen, anstatt ihr Vorschriften zu machen, wie sie führen soll, die ihren Möglichkeiten nicht durch die Unvollkommenheit ihrer eigenen Kräfte Schranken setzen, die nur misstrauen, weil sie nicht wissen – diesen wollen wir den Kernspruch Nâradas, des alten Hinduphilosophen, ins Gedächtnis rufen, der da lautet:

‚Nie sage: Ich weiß es nicht – also ist es falsch.
Man muss forschen, um zu wissen,
wissen, um zu verstehen,
verstehen, um zu urteilen.‘“

Zusammenstellung verschiedener Schriften, redaktionelle Bearbeitung Bärbel Ackermann

Fußnoten:
(1) Helena Petrowna Blavatsky: The Key to Theosophy. London, 1910, S. 243.
(2) Gottfried von Purucker: Esoterische Philosophie – Wörterbuch. Hannover, 1991,
S. 242 f.
(3) Helena Petrowna Blavatsky: Die Geheimlehre. Hannover, 2012, Bd. I, S. 21 f.
(4) Ebenda, S. 20 f.
(5) Helena Petrowna Blavatsky: Die Geheimlehre. Hannover, 2012, Bd. I, S. 42 ff.
(6) Siehe auch: Gottfried von Purucker: Grundlagen der Esoterischen Philosophie.
Hannover, 2003, S. 39 f.
(7) Helena Petrowna Blavatsky: Die Geheimlehre. Hannover, 2012, Bd. II, S. 466.
(8) Helena Petrowna Blavatsky: Isis Entschleiert. Hannover, 2005, Bd. I, S. 668.

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