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Das Meer der Theosophie
Judith M. Tyberg:
Die Sprache der Götter.
Sanskrit als Schlüssel zu den Mysterienlehren.
 

 

Literatur

Auswahl von Sanskrit-Ausdrücken

Judith M. Tyberg, aus: Die Sprache der Götter, Hannover, 2012.

Sanskrit-Ausdrücke aus Das Meer der Theosophie von William Q. Judge

Die folgende Auswahl gibt einen Einblick in die Schönheit und Klarheit der ursprünglichen Sinndeutung, die in den Sanskrit-Worten enthalten sind. In keiner europäischen Sprache werden die subtilen spirituellen Zusammenhänge über die siebenfältige zusammengesetzte Natur des Menschen so präzise zum Ausdruck gebracht wie im Sanskrit. So führt die Sanskritsprache zurück zu der tiefen Metaphysik, die in ihr enthalten ist.

Auch Worte wie Maya, Karman und Buddha – inzwischen fester Bestandteil im westlichen Sprachgut – offenbaren durch die meisterliche Übersetzung eine gedankliche Tiefe, wie sie kein europäisches Wörterbuch oder Lexikon bieten kann.


Leseprobe im Original-Layout (anklicken zum PDF-Download)

Die Sprache der Götter Die Sprache der Götter


Die siebenfältige Konstitution des Menschen

Âtman

Das Selbst; die Göttlichkeit oder das höchste Prinzip des Menschen; reines Bewusstsein. Âtman ist jenes universale Selbst des Menschen, das in jedem lebenden Wesen dasselbe ist und das alle und jeden mit Brahman, dem SELBST des Universums, verbindet. Die Wurzel des Wortes Âtman ist ungewiss, aber es kommt sehr wahrscheinlich von einer Verbwurzel, die „atmen“ bedeutet.

Buddhi

Die spirituelle Seele des Menschen; der Kanal, durch den Âtman dem menschlichen Ego seine göttlichen Inspirationen senden kann. Ein Mensch, in dem Buddhi erwacht ist, ragt hervor mit den Eigenschaften Unterscheidungskraft, Intuition, spirituelle Vision, Liebe ohne Grenzen und Mitleidsvermögen. Buddhi kommt von der Verbwurzel budh, „wissen“, „erleuchten“.

Manas / Mânasa / Mânasisch

Der Denker oder das denkende Prinzip im Menschen; das, was einem Menschen ein egoisches Bewusstsein gibt; abgeleitet von der Verbwurzel man, „denken“. Während des Erdenlebens ist Manas dual. Das höhere Manas ist das himmelwärts strebende Gemüt, der Bereich des ewig lebenden reinkarnierenden Egos, erleuchtet von der spirituellen Intelligenz Buddhis. Das niedere Manas ist das menschliche Denkvermögen, geleitet von irdischen und tierischen Wünschen und Leidenschaften. Die Esoterischen Kommentare in Die Geheimlehre von H. P. Blavatsky sagen, dass Manas lunar in seinem niederen Teil und solar in seinem höheren Teil ist. Samkarâchârya schrieb: „Der Mond ist das Gemüt, und die Sonne das Verstehen.“

Mânasa ist die sanskritische Adjektivform von Manas; und mânasisch ist die verdeutschte Adjektivform.

Kâma

Das Wunsch-Prinzip im Menschen; abgeleitet von der Verbwurzel kam, „wünschen“. Kâma ist der Sitz der treibenden und elektrischen Kräfte im Menschen, die Grundlage der Tätigkeit. Kâma an sich ist farblos, weder gut noch schlecht. Wenn diese Kraft von den Impulsen der niederen und weniger evolvierten Teile unserer Natur genutzt wird, ist sie abwärts gerichtet und führt zu Verfall und Zerstörung. Wird sie von den Aspirationen und Wünschen des höheren Manas genutzt, weist ihre Richtung aufwärts, und sie führt zu Wachstum und ewigem Leben. Daher wurde Kâma, das vierte der sieben Prinzipien im Menschen, das Gleichgewichts-Prinzip genannt und mit dem Sternzeichen Waage auf dem Pfad der Sonne durch den Zodiak verglichen.

Prâna

Das Lebensprinzip im Menschen; eine Zusammensetzung aus der Verbwurzel an, „atmen“, und der präpositionalen Vorsilbe pra – „fort, hervor“. Die Theosophie spricht in einem allgemeinen Sinn von Prâna als von jenem Ausströmen oder Lebensfluidum von Âtman, das sich in den materielleren Reichen manifestiert und dem Menschen seine vitale Energie gibt. Die alte Sanskritliteratur spricht von Prâna als von dem Ausatmungs-Atem, der nur einer der sieben Lebensatem oder Prânas ist, die im Menschen wirken.

Linga-sarîra

Der Modellkörper, oft auch „Astralkörper“ genannt; eine Zusammensetzung aus linga – Modell und sarîra – Form, abgeleitet von der Verbwurzel srî – zerfallen; daher bezeichnet Linga-sarîra ein Modell, das unbeständig ist. Dieser Modellkörper ist ätherischer als der physische Körper. Er ist die kausale Form, aus der die Energien fließen, die den physischen Körper Atom für Atom aufbauen. Ähnlich wie das Astrallicht zeichnet er automatisch alle Wirkungen der vom Menschen durchlebten Erd-Erfahrungen auf. Daher könnte er, würde er vollständiger verstanden, den Schlüssel für viele menschliche und psychologische Mysterien liefern.

Sthûla-sarîra

Der physische Körper des Menschen; eine Zusammensetzung aus sthûla – grob, schwerfällig und sarîra – unbeständige Form. Das Sthûla-sarîra wird gebildet aus den konkretisierten Formen der atomischen Leben, die aus dem Linga-sarîra hervorfließen. Es ist das niederste Prinzip des Menschen und das Vehikel aller anderen sechs Prinzipien auf dieser Ebene: Âtman, Buddhi, Manas, Kâma, Prâna und Linga-sarîra. Es ist in Wahrheit der Tempel, in dem der ewige innere Pilger hier auf Erden Erfahrung erringt. Jedes dieser sieben Prinzipien ist ebenfalls siebenfältig. Jedes hat seinen göttlichen, spirituellen, intellektuellen, begehrenden, vitalen, astralen und physischen Aspekt.

Mâyâ

Illusion, zeitliche Begrenzung, somit ein unvollkommenes Verstehen der Wirklichkeit. Das Wort ist abgeleitet von der Verbwurzel – messen; daher beschreibt Mâyâ das, was begrenzt ist und uns davon abhält, vollkommene Wahrheit oder Wirklichkeit zu erkennen, die jenseits aller Grenzen und grenzenlos ist. Mâyâ ist das unvermeidliche Resultat der Manifestation, denn Materie jeglicher Art ist ein Schleier, der die Wirklichkeit verhüllt. Je dichter der Schleier, umso größer die Mâyâ. Alles, was nicht dauerhaft ist, was der Veränderung durch Verfall unterworfen ist, ist Mâyâ. Je enger wir uns mit unserer inneren Essenz oder dem wahren Selbst vereinigen, umso weniger mâyâvisch, umso weniger unvollkommen wird unsere Vision der Wahrheit sein.

Karman / karmisch

Wörtlich bedeutet Karman „Handlung“; abgeleitet von der Verbwurzel kri – tun, handeln. Die philosophische Lehre von Karman lehrt, dass jede Tat die gesamte Natur beeinflusst, die innere und die äußere; und dass die Natur, deren eigentliche Essenz Harmonie und Gerechtigkeit ist, früher oder später reagiert und dem ursprünglichen Täter die Folgen seiner eigenen Taten, ob gut oder böse, zurückbringt. Daher ist Karman, einfach ausgedrückt: „Wie du säest, so wirst du auch ernten.“ Jedes Wesen, vom Gott bis zum Atom, besitzt den Körper, den Charakter, die Fähigkeiten und die Kräfte, die es zu irgendeiner Zeit in der Vergangenheit durch seine Wahl der Tat für sich zusammengetragen hat. In jedem Augenblick haben wir die göttliche Gabe des freien Willens, um uns ein besseres karmisches Schicksal zu gestalten, einen Weg zu wählen, der die spirituellen Kräfte in uns entfalten wird, und so unser gesamtes Wesen in Harmonie zu bringen, zu erheben, zu verschönern und zu verherrlichen.

Buddha / Gautama / Siddhârtha

Das Wort Buddha bedeutet wörtlich „der Erleuchtete“, das Partizip Perfekt der Verbwurzel budh – wissen, erleuchten. Ein Buddha ist einer, der den höchsten Zustand der spirituellen Erleuchtung erreicht hat, der einem menschlichen Wesen in diesem Zeitalter möglich ist. Gautama Buddha (643–543 v. Chr.) war einer der größten spirituellen Weisen, die der Geschichte bekannt sind. Wie die Legende berichtet, zeugt schon sein Name von seinem Ruhm, denn das Wort Gautama wird manchmal als „Höchster auf Erden“ interpretiert, von gau, „auf Erden“, und tama, einem Superlativ-Suffix. Weil er das Ziel menschlicher Vervollkommnung auf Erden erreichte, wurde er Siddhârtha genannt, „einer, der seinen Zweck vollendet hat“, von siddha, dem Partizip Perfekt von sidh – erreichen, und artha – Ziel oder Zweck.

Sanskrit / Devanâgarî

Sanskrit ist die Mutter der arischen Sprachen. Es ist die entwickelte und vervollkommnete Form einer sehr frühen arischen Sprache; daher der Name von Samskrita, einem Wort, das „vervollkommnet“, „geschliffen“ bedeutet. Diese ursprünglich natürliche Sprache wurde von den Initiierten der alten Tempel der Weisheit überarbeitet, erweitert und verbessert, damit sie die tiefgehenden und mystischen Götter-Lehren, die ihnen anvertraut worden waren, klarer zum Ausdruck bringen konnte. So wurde sie oft die „Sprache der Götter“ genannt. Devanâgarî ist die alphabetische Schrift des Sanskrit. Devanâgarî ist zusammengesetzt aus deva – Gott und nagarî – Stadt; daher ist sie die Schrift der göttlichen Stadt, oder mit anderen Worten, die Tempelschrift.


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