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Siehe: Gottfried von Purucker: Grundlagen der Esoterischen Philosophie, S. 455 f.

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Auf der Suche nach Wahrheit

Das Suchen nach Wahrheit ist das edelste Ziel, das der Mensch verfolgen kann. Wer aber weist den Weg, der uns Wahrheit näher bringt? Woran können wir uns orientieren?

Von Gottfried von Purucker

Die Grundprinzipien des Seins wurden in längst vergangenen Zeitaltern enthüllt und in einem vollständigen und wunderbaren System zusammengefasst. Auf dieses wunderbare System als Basis legten die Lehrer in alten Zeiten die Fundamente der Überstrukturen der verschiedenen philosophischen und religiösen Systeme, wie sie heute bestehen und durch die Weltliteraturen zu uns gekommen sind. Diese Systeme enthalten im größeren oder geringeren Maße grundlegende Wahrheiten des Seins, deren Studien in unserer Zeit „Esoterische Philosophie", „Theosophie“, „Weisheit der Zeitalter“ genannt werden – die Wissenschaft vom Kosmos und vom Menschen als Teil desselben; sie geben uns Aufschluss über den Ursprung, die Natur und die Bestimmung des Universums und des Menschen als Teil desselben.

Die Mysterienschulen des Altertums bildeten den inneren Brennpunkt des alten Denkens, und die Lehren, die in ihnen studiert wurden, wurden die „Herzenslehre" genannt, weil sie die Lehren darstellten, die verborgen waren. Die verschiedenen Philosophien aber, die sie öffentlich auslegten, wurden die „Augenlehre" genannt, weil sie die in exoterischer Ausdrucksweise gegebenen Lehren über die sichtbaren und nicht über die verborgenen Dinge waren. Die „Herzenslehre" schloss die Lösungen der Rätsel des Seins ein. Diese Lösungen wurden in exoterischer Form im Gewand der Allegorie und in mythologischer Bearbeitung herausgegeben und bildeten so die „Augenlehre“ oder die exoterischen Religionen oder Philosophien.

Doch alle diese alten Philosophien beruhten auf wunderbaren und erhabenen Wahrheiten, im Vergleich zu denen die Philosophien des modernen Europas nur wenig mehr als schöne Worte sind. Die in der Theosophie enthaltenen Lehren handeln von der wahren Natur, dem Ursprung und der Bestimmung des Kosmos und des Menschen. Diese Mysterienschulen lehrten kausale Dinge und deren Wirkungen im Leben. Sie lehrten die innersten und tiefsten Beziehungen der elementaren Wesen zueinander, was auch immer ihre Stufe im Kosmos sein mag. Sie lehrten die Menschen, dass der Weg zu einem vollkommenen Verstehen der Mysterien des Seins im „Erforschen des Inneren" besteht. Kein Mensch kann eine Wahrheit richtig verstehen, wenn sie nur durch die Ohren eintritt und er nicht vorher auch die Fähigkeit, die innere Fähigkeit des Verstehens in sich entwickelt hat. Die Entwicklung dieser inneren Fähigkeit des Verstehens war das Hauptziel der Initiationsschulen.

Die ganze Anstrengung dieser Initiationsschulen bestand daher darin, den Menschen „sich selbst erkennen zu lassen". Warum? Weil die innerste Essenz des Menschen in den innersten Essenzen des Universums wurzelt. Und indem er, wie die brâhmanischen Upanishaden sagen, dem schmalen, zeitalteralten Pfad folgte, der im Menschen selbst liegt und auf den Jesus hindeutete, als er sagte: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Licht" – indem der Mensch jenem schmalen, alten Pfad nach innen folgte, konnte er Schritt um Schritt nach innen oder „aufwärts", unaufhörlich nach innen und nach innen aufsteigen und sich dabei beständig zu immer größeren Feldern des Bewusstseins ausweiten. Dieses Evolvieren des inneren Menschen wird durch das Hervorrufen der latenten spirituellen Kräfte erreicht, die sich in der höheren menschlichen Natur befinden. Es ist in der Tat die Vereinigung der Seele des Menschen mit seiner essenziellen, innersten Monade, mit seinem inneren Gott.

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